Alle sind gegen Rassismus? Schön wär’s.

In den sozialen Medien, auf der Straße, im Alltag oder in Talkrunden – überall sprechen sich Menschen gegen Rassismus aus. Man könnte fast meinen: Alle seien sich einig, dass Rassismus in unserer Gesellschaft keinen Platz hat. Doch die Realität sieht anders aus: Seit Jahren werden in Deutschland Muslim*innen und muslimisch gelesene Menschen zur Zielscheibe von Hass, Diskriminierung und Übergriffen. Beleidigungen auf der Straße, Anfeindungen in Bussen oder Bahnen, Vorurteile bei der Job- und Wohnungssuche, Angriffe auf Moscheen, wütende Hetze im Internet und immer wieder Gewaltdelikte gehören in Deutschland zum Alltag. Nur in Ausnahmefällen dringt das an die Öffentlichkeit.

Für das Jahr 2020 hat das Bundesinnenministerium (BMI) bundesweit 1.026 Übergriffe auf Muslim*innen und 103 Angriffe auf muslimische Einrichtungen erfasst (Stand: 10.05.21). Das allein ist schon eine erschreckende Tatsache, doch nicht mal die Spitze des Eisbergs: Expert*innen gehen davon aus, dass die offizielle Statistik bei weitem nicht das Ausmaß des antimuslimischen Rassismus abbildet.

Bei einem Blick auf derzeitige Diskurse und das tägliche Nachrichtengeschen überrascht das nicht. In Deutschland und ganz Europa ziehen sich antimuslimische Ressentiments durch die Gesellschaft und bilden den Nährboden für rechte Ideologien, Ablehnung und Hass.

Zeit, ein Zeichen zu setzen!

Mit der Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus ab dem 24. Juni und dem Tag gegen antimuslimischen Rassismus am 1. Juli treten wir menschenfeindlichen Denk- und Verhaltensweisen gemeinsam und geschlossen entgegen. Wir zeigen, dass gegen Rassismus sein allein nicht ausreicht. Wer Rassismus wirksam bekämpfen und die Werte einer offenen und toleranten Gesellschaft schützen will, muss hinsehen, zuhören, sich solidarisieren und laut werden.

Warum ist der 1. Juli der Tag gegen antimuslimischen Rassismus?

Am 1. Juli 2009 wurde Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden ermordet, als sie nach einer Zeugenaussage das Gebäude verlassen wollte. Der Mord an der schwangeren, 32-jährigen Pharmazeutin aus Ägypten wurde auch international zur Zäsur dafür, welche Folgen Islam- und Muslimfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus haben können. Seitdem steht der 1. Juli als Tag gegen antimuslimischen Rassismus für entschiedenes Eintreten für eine solidarische, demokratische, freiheitliche und offene Gesellschaft.

Antimuslimische Diskriminierungen
und Übergriffe melden

Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil antimuslimischer Vorfälle nicht erfasst und behördlich verfolgt wird. Expert*innen gehen sogar davon aus, das lediglich einer von acht Fällen dokumentiert wird. Das liegt auch daran, dass es bisher keine zentrale Meldestelle für Betroffene von antimuslimischem Rassismus gab. Wir möchten das ändern, indem wir die Zahl antimuslimisch-motivierter Übergriffe und Diskriminierungen zentral erfassen, dokumentieren und sichtbar machen. Mit deiner Meldung hilfst du uns, den alltäglichen Rassismus gegenüber Muslim*innen und muslimisch gelesenen Personen besser beleuchten zu können . Gemeldet werden kann jeder Vorfall, den du als antimuslimisch wahrnimmst. Bist du Zeug*in oder Betroffene*r eines antimuslimischen Übergriffs?

Beratung für Betroffene

Professionelle Unterstützung und Beistand erhalten Menschen, die antimuslimische Gewalt und/oder Diskriminierung erlebt haben, ihre Angehörigen sowie Zeug*innen eines Angriffs in Beratungsstellen vor Ort. Die Beratung kann telefonisch, online oder persönlich erfolgen. Die wichtigsten Anlaufstellen für Betroffene rassistischer Gewalt und Diskriminierung haben wir hier für alle 16 Bundesländer aufgelistet

Sei aufmerksam

Antimuslimischer Rassismus kann uns überall begegnen. Aber wie geht man am besten damit um, wenn man ihn erlebt – auch, wenn man nicht selbst davon betroffen ist? Gemeinsam mit der Künstlerin Soufeina „Tuffix“ zeigen wir, wie man als Zeug*in eines Übergriffs in einer solchen Situationen agieren und helfen kann.

Mach’ mit!

Wir müssen über antimuslimischen Rassismus reden und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Und du kannst uns dabei helfen – auf vielen verschiedenen Wegen! Zum Beispiel indem du ein Foto von dir mit einem unserer Kampagnenmotive machst und mit dem Hashtag #KeinPlatzfürHass auf deinen Kanälen teilst. Mit unseren Vorlagen kannst du darüber hinaus auch deine ganz individuelle Botschaft erstellen.

Falls du keine sozialen Medien nutzt, kannst du uns dein Foto auch gerne per Mail an info (at) claim-allianz.de senden. Nach einer kurzen Rücksprache mit dir veröffentlichen wir es dann stellvertretend auf unseren Accounts. Natürlich hilfst du uns auch, indem du die offiziellen Posts und unser Symbol gegen Hass auf unseren Kanälen via #KeinPlatzfürHass auf Facebook, Instagram und Twitter mit deinen Follower*innen teilst.

Aktionen

Veränderung schaffen wir nur, indem wir gemeinsam aktiv werden. Organisiere deine eigene Aktion und mach antimuslimischen Rassismus zum Thema! Egal ob in deinem Büro oder Home Office, im Buchladen um die Ecke, in der Schule, an der Uni oder im Stadtpark – wenn du uns rechtzeitig über deine Aktion informierst, helfen wir dir, so viele Menschen wie möglich darauf aufmerksam zu machen! Informiere uns einfach per Mail an info (at) claim-allianz.de

23. Juni

Fachtag: Dimen­sionen des antimus­li­mi­schen Rassismus (Demokratiezentrum Bremen)

24. Juni

Vortrag: Muslim*innen gegen Rassismus - Der Islam als eine spirituelle Ressource für Anti-Rassismus (BFmF e.V.)

25. Juni

Diverse Online-Mitmach-Aktionen (Bündnis aus Köln)

29. Juni

Fachtag: Antimuslimischer Rassismus. Erkennen, Verstehen, Handeln! (Fachstelle gegen Rechtsextremismus und Rassismus)

Fachtag: Antimus­li­mi­scher Rassismus (MINA e. V.)

30. Juni

Vortrag: Muslim*innen in Europa - Eine lange und oft unbekannte Geschichte (BFmF e.V.)

1. Juli

Podcast: Rassimuskritische Bildungsarbeit (KIM-E Jugend)

Tag gegen antimuslimischen Rassismus (ZEOK e.V.)

Talkrunde zum Tag gegen antimuslimischen Rassismus (Bündnis aus Köln)

Diskussion: Warum engagierst Du Dich gegen antimuslimschen Rassismus?

2. Juli

Live-Stream: Freitagspredigt aus der Safaa Moschee (Bündnis aus Köln)

Partner

Mit einem breiten Bündnis wenden wir uns entschieden gegen Hass und antimuslimischen Rassismus.

Presse

Liebe Journalist*innen, wir stellen hier unser Kampagnen-Material für Ihre Berichterstattung zur Verfügung. Bei Fragen erreichen Sie uns unter presse (at) claim-allianz.de.